Dokumentation der Auftaktveranstaltung U15-Dialog "Zukunft der universitären Lehre"

News vom 06.01.2015

Forum Campus der Zukunft

  Marion Schmidt, Die Zeit, moderierte das Forum, in dem Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Vorstand German U15 Prof. Dr. Ada Pellert, Gründungspräsidentin Deutsche Universität für Weiterbildung Anja Schellhaneck, Vizepräsidentin Abgeordnetenhaus von Berlin, Bündnis 90/Die Grünen über die großen Herausforderungen für die universitäre Lehre diskutierten.

 

Dreh- und Angelpunkt der Debatte um die universitäre Lehre werde zunehmend deren Qualität und der Wert sein, der dieser in der Universität – aber auch von Seiten der Politik – beigemessen werde. Die großen Entwicklungslinien für die Lehre wurden hierbei vom Podium in der Individualisierung der Wissensvermittlung und in der Kompetenzorientierung der Inhalte verortet. Diese Themen direkt im Anschluss an die Bolognareform in die Weiterentwicklung der Lehre einzubinden, sei die kommende Herkulesaufgabe. Eine, der die Universitäten sicher nachkommen werden; schließlich hätten sie bereits die Bolognareform während des laufenden Betriebs umgesetzt.

 

Das Besondere an universitärer Lehre sei die Kombination von Forschung und Lehre unter einem Dach. Erst die Verbindung zu forschungsorientierter Lehre im Kontext des vollen Fächerspektrums einer Universität mache es möglich, den Nachwuchs zu kritischem Hinterfragen anzuregen und die Gesellschaft weiterzuentwickeln. Den Diskutanten erschienen dabei Aspekte wie Interkulturalität, Kritikfähigkeit und der intellektuelle Diskurs heute aktueller denn je.

 

Die große Frage werde sein, wie ein "Humboldt reloaded" im 21. Jahrhundert gelingen könne. Der alleinige Einsatz von MOOCs sei nicht ausreichend – weitere Tools müssten zum Einsatz kommen. Hierzu gehöre, dass Lehrende neue Formate etablierten und entsprechende Lernräume kreiert oder ausgebaut würden. Bereits bestehende Mentoringprogramme und digitale Lernräume wurden in diesem Zusammenhang als Beispiele genannt.

 

Ebenso unabdingbar für gute Lehre seien die erforderlichen Ressourcen, Zeit und vor allem die notwendige Reputation, so das Forum. Der Wert der universitären Lehre müsse sichtbarer werden – in der Universitätsöffentlichkeit bis hin zur Politik, die dazu Anreize schaffen könne.


 

Neue Arbeitswelten

  Marion Schmidt, Die Zeit, moderierte das Forum, in dem Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident Freie Universität Berlin und Vorstand German U15 Prof. Dr. Martin Gersch, Freie Universität Berlin, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, insb. Allgemeine Berufsvorbereitung sowie Competence Center E-Commerce Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender Technologiestiftung Berlin über die Herausforderungen diskutierten, denen sich die universitäre Bildung durch neue Arbeitswelten gegenübersieht, und darüber, wie berufsbefähigend ein Universitätsstudium sein kann.

 

Die wichtigsten Merkmale universitärer Bildung für die Arbeitswelt waren für die Podiumsteilnehmer die Fähigkeiten, sich selbst in Frage zu stellen, kritisch zu denken und zu diskutieren. Dies sei Voraussetzung für jede Innovationsfähigkeit und erhöhe die Berufsfähigkeit von Absolventen. Daneben stellten die Referenten in ihren Ausführungen auf ein Bewusstsein über die Folgen des eigenen Handelns ab.

 

Die Universitäten sollten ihrer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden, indem sie Studierende nicht allein fachlich, sondern auch im Sinne ihrer ethischen Verantwortlichkeiten ausbildeten.

 

Hierbei habe die Universität nicht allein eine Bringschuld. Um kompetenzorientierte Lehre an Universitäten erleben zu können, müssten Studierende eine Holschuld einlösen. Sie könnten die Angebote der Einrichtung nutzen, müssten es aber nicht. Nicht jeder Student sollte zwingend das gleiche fachnahe Angebot wahrnehmen.

Wichtig sei auch, dass sich Universitäten nicht nur auf ihr Expertenwissen zurückzögen. Sie müssten ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nachkommen, indem sie in der Forschung erworbenes Wissen mit der Gesellschaft teilten. Die Universitäten müssten sich an neue Situationen anpassen und die Lehrprogramme entsprechend reformieren. Sie sollten genügend Raum für Selbstreflexion erhalten und die Persönlichkeitsbildung des Nachwuchses gewinnbringend einsetzen. Eine vertikale Differenzierung der Hochschullandschaft könne solche Prozesse unterstützen.

 

Der Mehrwert universitärer Bildung für die Absolventen, für die Gesellschaft und die Arbeitgeberseite sei die Qualifizierung zu einem verantwortlichen und kritisch reflektierenden Menschen. Gerade Volluniversitäten offerieren ein umfassendes Bildungsangebot, betonten die Diskutanten des Forums, das über die Vermittlung fachlicher Inhalte für Expertenwissen weit hinausgehe.

 

Dokumentation: Denise Feldner

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