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Parlamentarischer Abend: Debatte über Tenure Track, Mittelbau und das WissZeitVG

© German U15

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News vom 03.12.2025

Am 2. Dezember 2025 lud German U15 zum Parlamentarischen Abend „Tenure Track und nachhaltige Karrierewege – politische Rahmenbedingungen für attraktive Perspektiven in der Wissenschaft“ ins dbb forum Berlin ein. Gemeinsam diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft und Politik, wie verlässliche, transparente und zukunftsfähige Karrierewege an Hochschulen gestaltet werden können. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Uni Freiburg und der Friedrich-Schiller-Universität Jena organisiert, die auch die Tenure-Track-Tagung im Mai ausrichteten.

In seinem Grußwort betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Matthias Hauer, die enorme Bedeutung wissenschaftlicher Exzellenz für Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und Quantentechnologien. Deutschland brauche hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereit seien, sich langfristig im System zu engagieren. Das Tenure-Track-Programm bezeichnete er als Erfolgsgeschichte: Fast alle geplanten Professuren wurden besetzt, und der Frauenanteil sei erfreulich hoch. Zudem kündigte er an, dass das Ministerium im kommenden Jahr eine Peer-to-Peer-Beratung für Hochschulen fördern wolle — mit dem Ziel, gute Praxisbeispiele sichtbar zu machen und den Austausch über Personalstrukturen an Hochschulen zu unterstützen.

Mit diesem Ausblick auf notwendige Reformen eröffnete Hauer gewissermaßen den thematischen Rahmen für die anschließende Podiumsdiskussion. Dort vertieften die forschungspolitischen Sprecher*innen von Union, SPD, Grünen und Linke die Frage, wie sich wissenschaftliche Laufbahnen so gestalten lassen, dass sie nicht nur Exzellenz fördern, sondern auch verlässlich und fair sind. Zugleich wurde deutlich, dass die Erwartungen an das System ebenso hoch sind wie die Komplexität der strukturellen Aufgaben, die es zu bewältigen gilt.

In der Diskussion über die geplante Novelle WissZeitVG wurde klar, dass das Gesetz nicht die Fülle der an es gestellten Erwartungen wird erfüllen können. Oliver Kaczmarek (SPD) hob als wichtige Ziele der Novelle Mindestvertragslaufzeiten in der Promotions- und Postdoc-Phase sowie die Stärkung tatsächlicher Qualifizierungszeiten hervor. Florian Müller (CDU) betonte, dass der Bund zwar Rahmenbedingungen schaffen könne, aber die konkrete Ausgestaltung von Dauerstellen und Personalstrukturen letztlich Aufgabe der Länder und Hochschulen bleibe. Beide unterstrichen die Bedeutung eines professionellen Personalmanagements, das Transparenz und Planungssicherheit verbessert.

Ayşe Asar (Grüne) wies darauf hin, dass aus ihrer Sicht die im Koalitionsvertrag verankerten Reformziele bislang nicht ausreichend finanziell unterlegt seien. Sie plädierte für die Verstetigung des Tenure-Track-Programms und für ein neues Programm zur Schaffung planbarer Karrierewege im Mittelbau. Nur mit substanziellen Mitteln könnten die Ziele von Innovationspolitik und nachhaltigen Personalstrukturen erfolgreich zusammen gedacht werden. Sonja Lemke (Linke) hob die soziale Dimension hervor: Prekäre Beschäftigung bestimme immer noch stark darüber, wer sich eine wissenschaftliche Laufbahn leisten könne. Daueraufgaben müssten deshalb mit Dauerstellen unterlegt werden, um sowohl Chancengleichheit als auch Qualität in Forschung und Lehre zu sichern.

Aus den Universitäten kamen deutliche Signale, dass neue Karrierewege jenseits der Professur dringend benötigt werden. Vertreter*innen wie Prof. Jetta Frost (Universität Hamburg) und Prof. Andreas Marx (Friedrich-Schiller-Universität Jena) erinnerten daran, dass Tenure Track ein starkes Strukturinstrument sei, dessen Logik sich auch auf Researcher- und Lecturer-Positionen übertragen lasse. Gleichzeitig zeigten sie die Herausforderungen auf, die etwa aus unterschiedlichen Landesregelungen, Lehrverpflichtungen oder Eingruppierungen resultieren. Marx beschrieb zudem die Realität der Berufungsprozesse: Stellen und Ausstattungspakete seien weiterhin die entscheidende Währung im internationalen Wettbewerb um Talente.

Prof. Walter Rosenthal (HRK) wies darauf hin, dass Hochschulautonomie ein unverzichtbarer Grundpfeiler der Wissenschaft sei und Strukturreformen deshalb stets in enger Abstimmung mit den Einrichtungen selbst erfolgen müssten. Prof. Günter Ziegler (Freie Universität Berlin) ergänzte, dass die Qualität von Forschung und Lehre untrennbar miteinander verbunden sei und damit jede Personalstrukturreform die Einheit dieser Aufgaben in den Blick nehmen müsse.

Die Diskussionen, die danach noch bei einem Stehempfang vertieft wurden, machten deutlich, dass sich die Herausforderungen des akademischen Karriereapparats nicht durch die Justierung einer einzelnen Stellschraube beheben lassen, sondern nur durch das abgestimmte Zusammenwirken vieler ineinandergreifender Maßnahmen. Die nachhaltige Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems ist ein gemeinsamer Auftrag von Bund, Ländern und Wissenschaftseinrichtungen. Nur wenn gesetzliche Rahmenbedingungen, verlässliche Finanzierung und strategische Personalentwicklung zusammenwirken, können nachhaltige positive Veränderungen im System angestoßen werden.

Auch im Vorgriff zu der bevorstehenden Debatte zur Novelle des WissZeitVG bot der Abend einen wichtigen Impuls für den Dialog zwischen Politik und Universitäten über die Zukunft akademischer Karrieren. German U15 wird den Diskurs und die Entwicklungen in den kommenden Monaten weiter intensiv beobachten und begleiten.

Aufzeichnung der Veranstaltung auf dem German U15 YouTube-Kanal

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